Mit Bus und Bahn durch Schleswig-Holstein

Heimatkunde - einmal ganz anders
Kompetent unterwegs im ÖPNV

[wf] Wer schon einmal "Dann-und-Wann-Zugfahrer" hilflos vor dem Fahrkartenautomaten am Bahnhof hat stehen sehen, ahnt, dass es so leicht nicht ist, im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zurecht zu kommen. Da sollen es die 4.-Klässler der Waldorfschule Neumünster einmal besser haben, dachte sich Klassenlehrer Detlef Bosse und entwickelte im Rahmen des Fachs Heimatkunde eine Unterrichtsepoche zum kompetenten Umgang mit Bus und Bahn.

In Vierergruppen aufgeteilt sollten die Kinder seiner Klasse versuchen, auf einer vorgegebenen Route selbstständig durch Schleswig-Holstein zu kommen. Verbindungen herausfinden, Fahrkarten kaufen, sich mit Schaffnern auseinandersetzen und unterwegs noch ein paar Aufgaben lösen - keine einfache Sache für die Jungen und Mädchen. Und damit es nicht etwa zu echten Problemen kommen konnte, hatte jede Gruppe einen erwachsenen "stummen" Begleiter dabei, der im Fall der Fälle eingreifen konnte. Zweimal wurde das auch nötig, weil Zugbegleiter die Tageskarten nicht akzeptieren wollten.Auch für Klassenlehrer Bosse war das Projekt eine echte Herausforderung. Mehrere Abende lang mussten Fahrpläne gewälzt und Streckeninformationen beschafft werden, damit am Ende auch alles klappen konnte.

Und so erinnert sich Josefine B. an den großen Tag: "An einem Donnerstagmorgen ging es los. Wir waren alle ganz schön aufgeregt. Am Bahnhof guckten wir erstmal auf die Tafel, auf welchem Gleis unser Zug nach Heide abfuhr. In dem Zug hatten wir einen sehr netten Zugführer. Die Landschaft war schön. In Heide sollten wir weiter mit dem Bus nach Rendsburg. Das war doof, weil wir nicht wussten, wann wir aussteigen mussten. Deswegen haben wir immer wieder den Busfahrer gefragt, wann wir am Rendsburger ZOB sind. Denn in Rendbsurg hatten wir nur fünf Minuten zum Umsteigen."

Unterdessen war eine andere Gruppe in Itzehoe angekommen - Lea-Sophie L. erinnert sich: "Als wir in Itzehoe angekommen waren, wunderte Jan-Mathis sich. was auf dem anderen Gleis los war. Da war ein sehr schönes Buffet aufgebaut. Als wir hinüber gehen wollten, hörten wir aus dem Lautsprecher, dass auf Gleis 6 eine Zugtaufe war. Ein ICE wurde auf den Namen Itzehoe getauft. Aber dann mussten wir los und den Weg zum ZOB suchen. Von dort fuhren wir mit dem Bus nach Nortorf.“

Natürlich hat nicht immer alles gut geklappt. So schreibt Kim T. zum Beispiel: "Ich fragte eine Fischverkäuferin, ob sie wisse, wo der Bahnhof sei. Sie sagte immer nur, dass der Bahnhof noch sehr weit weg sei. Aber eigentlich hatte sie keine Ahnung. Als wir endlich zum Bahnhof kamen, hatte der Zug zum Glück Verspätung. Er fuhr nach Kiel, wo wir noch drei andere Gruppen treffen sollten. Der Zug zurück nach Neumünster fuhr nur fünf Minuten später und wir mussten ordentlich rennen."

Aber letztlich ist alles gut gegangen. Die Kinder hatten viel erlebt und auch gelernt und der Klassenlehrer, der in Neumünster wartete, war erleichtert, als alle seine Schäfchen wieder heil und pünktlich angekommen waren. Die Stadtwerke Neumünster, die von der Idee einer "Nahverkehrsepoche" ganz begeistert gewesen waren, stellten für alle Schülerinnen und Schüler einen ÖPNV-Führerschein aus und einen Rucksack für die nächsten Touren - dann ganz auf eigene Faust - gab es noch dazu...

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