Ist die Waldorfschule nicht so etwas wie eine "heile Welt"? Werden die Kinder gut genug auf die "harte Realität" vorbereitet?
Dass die Waldorfschule "Kuschelpädagogik"
betreibe und so die Kinder nicht gut genug auf das harte Leben nach der Schule
vorbereite, ist ein besonders hartnäckig sich haltendes
Vorurteil.
Vermutlich hängt dies damit zusammen, dass sich die
Waldorfpädagogik im Kindergarten und
in den ersten drei, vier Schuljahren tatsächlich sehr um eine behütende
Atmosphäre bemüht. Der Grund dafür ist, dass gerade in diesen Jahren die Kinder
zunächst einmal die Kräfte entwickeln müssen, die sie später in den Stand
versetzen, mit den Widrigkeiten des Lebens fertig zu werden. Diesen Schonraum
will die Waldorfschule in den unteren Klassen bieten, so wie auch ein Gärtner sich nicht einbilden wird, junge
Pflanzen hart und widerstandsfähig zu machen, indem er sie möglichst früh den
Unbilden der Witterung aussetzt.
Zugleich bemüht sich aber die
Waldorfschule von Beginn an darum, immer wieder und im Laufe der Schulzeit
stetig zunehmend Begegnungsmöglichkeiten mit dem "wirklichen Leben" zu schaffen
- in einem weit höheren Maße als fast alle staatlichen Schulen. Das umfassende
Praktikumskonzept der Freien Waldorfschule Neumünster ist dafür nur ein
Beispiel.
Auch die Tatsache, dass Waldorfschüler von der ersten Klasse an
darauf vorbereitet werden, sich selbstbewusst in der Öffentlichkeit zu
präsentieren - in der Klasse, auf Schulveranstaltungen, in Theaterprojekten -,
spricht dafür, dass die Waldorfschule nicht weniger, sondern eindeutig mehr auf
"das Leben" vorbereitet als andere Schulformen.
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