Die Waldorfschule stiftet einen Baum für die Familie Franke

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges im Frühjahr 1945 drängten die alliierten Verbände der Briten, Amerikaner sowie der UdSSR zunehmend auf deutsches Territorium und kündeten die unausweichliche Niederlage des Dritten Reiches an.  Millionen Menschen waren diesem seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg zum Opfer gefallen. Der Großteil der deutschen Großstädte lag - unbewohnbar geworden - in Trümmern. Umso mehr mag es aus heutiger Perspektive überraschen, dass die NS- Führung in den ihr noch vorhandenen Spielräumen die Durchsetzung ihrer ideologischen Ziele weiterhin mit hoher Intensität verfolgte und sich daran machte, Spuren ihres Verbrechens zu beseitigen.
Häftlinge aus den Konzentrationslagern des Ostens und des Reichsgebiets wurden, wenn sie nicht exekutiert wurden, in Gewaltmärschen der Befreiung entzogen. Am 12. April wurden um die 800 Insassen des Konzentrationslagers Hamburg Fuhlsbüttel evakuiert und in einem Gewaltmarsch entlang der alten Hamburger Landstraße nach Kiel ins Lager Nordmark nach Hassee verlegt. Die ausgezehrten und teils von der langen Haft geschwächten Insassen erreichten am 15. April ihr Ziel. Auf diesem tagelangen Fußmarsch spielten sich immer wieder furchtbare Szenen ab, die die spontan zusammen strömenden Anwohner mit der Barbarei des politischen Systems konfrontierten, das die unabwendbare Katastophe des Zusammenbruchs zu verantworten hatte und seinen barbarischen Charakter offenbarte.
Auf diesem Marsch, der auch durch Einfeld führte, verloren mehrere Häftlinge gewaltsam ihr Leben, andere in den Wochen danach an den Folgen der Erschöpfung. Für die Überlebenden erfolgte die Rettung einer größeren Anzahl von Häftlingen durch die von Schweden organisierten "Weißen Busse", die übrigen wurden von den Briten am 4. Mai in Kiel befreit.
Seit einigen Jahren aber kümmert sich ein Arbeitskreis um die intensivere Aufarbeitung dieses Todesmarsches und hat sich zur Aufgabe gemacht, die Namen und Schicksale der Teilnehmer zu erforschen. Eine Form des Erinnerns besteht in dem Projekt der Alten Obstwiese, an der Kieler Straße in Einfeld gelegen, auf der Apfelbäume zum Gedenken an einzelne Teilnehmer des Marsches gepflanzt werden.  Im Rahmen dessen hat sich Herr Kautsky, langjähriger Mitarbeiter in der Stadtverwaltung von Neumünster und Mitglied dieses Arbeitskreises, an unsere Schule gewandt und um Unterstützung und eine Patenschaft gebeten. Dieser Bitte kommen wir gerne nach.
Am 5. Dezember wird es um 10 Uhr eine Gedenkveranstaltung an unserer Schule geben, bei der Herr Kautzky und Herr Zimmak die Ereignisse verdeutlichen werden. Auch Frau Schmidt, Mitarbeiterin unserer Schule, wird ein paar biografische Bezüge zu ihrem Großvater anstellen, der ebenfalls als Häftling Teilnehmer des Marsches war.
Für die musikalische Untermalung haben wir den Akkordeonisten und Schulvater Arne Gloe gewinnen können.
Im Anschluss an die Veranstaltung in der Schule werden wir zur Kieler Straße gehen, um eine Gedenktafel für einen unbekannten russischen Zwangsarbeiter aufzustellen, der in der Höhe der ehemaligen Lederfabrik Quark am 14. April erschossen wurde. Im Anschluss daran findet auf der Obstwiese die Baumpflanzung für die Familie Franke statt. Elfriede Franke aus Herford und ihre beiden Töchter überlebten den Marsch und gingen in die USA. Die Tochter Claire Goldstein-Franke lebt heute in einem Altersheim in Pennsylvania.
Die Oberstufenklassen nehmen an dieser Veranstaltung teil. Während der Dauer der Gedenkveranstaltung fällt der Unterricht aus. Sofern Fachepochen am Nachmittag anliegen, finden diese anschließend statt !
Sören Krusemark

Rundbrief

Monatsfeier & Sommerfest

am 16.06.2018 um 10 Uhr